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Dienstag, 19. November 2013

Bekommen die USA eigentlich bald einen echten Haushalt?

Eine ziemlich interessante These zum Preisverfall von Gold bespricht der Rohstoffanalyst Jochen Stanzl. Ist das physische Notenbank-Gold tatsächlich "abhanden" gekommen und musste man zur Wiederbeschaffung am Goldpreis drehen? Jeder darf sich sein eigenen Urteil machen.

Gold hat die wichtige 1.275 US$-Marke zurückerobert. Der Test des Verlaufstiefs bei 1.261,36 blieb aus. Unter 1.295 bleibt das Bild aber bärisch.



EZB-Chefvolkswirt Peter Praet an erstmals öffentlich zugegeben, dass die EZB sich doch um die Gefahr einer Deflation sorgt. Dass viele Marktteilnehmer die Inflation weiter in der Nähe von 2 % erwarten, dürfe die EZB nicht beruhigen. Die Finanzmärkte hätten keine Deflationsorgen, weil sie der Geldpolitik der EZB vertrauen meinte Praet bei der Euro Finance Week in Frankfurt. Über mögliche konkrete Maßnahmen sprach er nicht.

Auch Russland hat konjunkturelle Probleme, wenn man die Erzeugerpreise zur Grundlage nimmt. Die sind im Oktober um 1,2 % gesunken. Erwartet wurden -0,1 %

Die türkische Nationalbank hat ihren Leitzins von 4,5 % bestätigt.

DER NACHMITTAG


US-Finanzminister Lew
Ja, die USA hangeln sich ja weiter von einer Schuldenobergrenze zur nächsten und von einem Nothaushalt zum nächsten. Hat Finanzminister Lew eine Botschaft, die auf eine baldige Einigung im Haushaltszwist schließen lässt oder stehen die USA mitte Januar wieder mal vpr der Zerreißprobe und der Zahlungsunfähigkeit? Ab 14.30 Uhr gibt es vielleicht Antworten.

Ebenfalls halb drei wird der Arbeitskostenindex veröffentlicht, bevor 14.55 Uhr das Redbook einen Einblick in den Zustand des Einzelhandels gibt. Die sahen zuletzt nicht wirklich schön aus. Seit neun Wochen gibt es Umsatzrückgänge.

16 Uhr spricht ein weiteres Mal William Dudley, der ja schon gestern ausführlich Stellung bezogen hat. Vielleicht hat ja Chicago-Fed-Präsident Charles Evans etwas Neues zu erzählen. Er ist ebenfalls stimmberechtigtes FOMC-Mitglied und spricht 20.15 Uhr in Chicago.

Für Freunde von Exoten: Israel meldet 14 Uhr die Geldmenge M1.

Schauen wir noch auf den Dollarindex. Der Bruch der 80,80 nimmt immer mehr Konturen an. Wirklich bullisch sieht der Dollar gerade nicht aus.



Meine Betrachtungen stellen keine Handelsempfehlung dar. Ich bin aktuell in EUR/USD, EUR/GBP, EUR/AUD, Gold, Tesla Motors, Sony, Cisco und IBM investiert.

Montag, 30. September 2013

Die spannende Frage: Sind die USA zahlungsunfähig?

Wenn dieser Post erscheint, wissen wir schon, ob das Chaos in den USA vollendet ist oder ob es Republikanern und Demokraten doch noch gelungen ist, dem Chaos von der Schippe zu springen. Am Montagabend deutete einiges darauf hin, dass die US-Politik einen Heidenspaß daran hat, den Laden an die Wand zu fahren. Finden die beiden Fraktionen noch einen Kompromiss und ziehen so die Notbremse?

Wenn dieser Post erscheint, werden wir das Ergebnis kennen und die Auswirkungen sehen. Möglich ist ein Minikompromiss und die Verschiebung des Problems, sagen wir bis Mitte Oktober. Da wird es in den USA wieder spannend, dann steht die Schuldenobergrenze zur Verhandlung und damit droht wieder eine Zitterpartie mit der Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit der USA. Die Auswirkungen habe ich ja bereits gestern ausführlich beschrieben.

Interessant war am Montag die Reaktion des Marktes. Die Aktienmärkte suchten Deckung und zogen sich wie erwartet zurück. Zur Abwechslung werfen wir heute mal einen Blick auf den Dow Jones, der am Montag mehr als ein halbes Prozent verlor. Der US-Index riss zum Wochenauftakt ein Gap und handelt seitdem unter der 15.200er Marke. Aktuell versucht der Dow zwar die 15.200 zurückzuerobern, Ein Scheitern der Verhandlungen zum Haushalt 2014 in den USA dürfte aber eher Abgaben Richtung 14.760 Punkte einleiten.


EUR/USD entwickelte sich überraschend in die andere Richtung. Die Gemeinschaftswährung "profitierte" am Nachmittag offenbar davon, dass die Regierungskrise in Italien vielleicht nicht ganz so schlimm wird. Regierungschef Letta will nun auf die Vertrauensfrage im Parlament verzichten. Das Aufatmen könnte von kurzer Dauer sein. EUR/USD bleibt auf jeden Fall auf hohem Niveau, auch wenn der Aufwärtstrend gebrochen ist. Unterstützung würde das Paar bei 1,3460 finden, auf der Oberseite gibt es das Top bei 1,3570 aus dem Rennen zu nehmen. Unter normalen Voraussetzungen dürfte dies am Tag vor der Zinsentscheidung der EZB eigentlich auch die Range sein, in der das Paar verweilen sollte. Nur, was ist in diesen Tagen eigentlich normal? So muss man auf der Oberseite durchaus mit 1,3710 rechnen und auf der Unterseite könnte auch schnell wieder die 1,34 grüßen.

Interessant ist, dass die Märkte aus den Aktienmärkten flüchten, aber offenbar im Devisenmarkt nicht die sicheren Häfen suchen. Das wird deutlich, wenn man einen Blick auf den USD/JPY wirft. Das Paar hat bei 97,50 einen Boden gebildet. Zwar ist USD/JPY noch im Abwärtstrend, aber angesichts der offensichtlichen Unsicherheiten, die die Märkte beeinflussen, ist es schon überraschend, dass das Paar ein Comeback startete und wieder deutlich über 98 handelt. Widerstand dürfte bei etwa 99,15 liegen, auf der Unterseite bieten 96,80 weitere Unterstützung. So ganz klar ist das Ziel von USD/JPY nicht. Auf der einen Seite gibt es die Unsicherheiten im US-Haushaltsstreit, was den Yen stärken müsste, auf der anderen Seite werden sich die Marktteilnehmer langsam für die Zinsentscheidung der Bank of Japan am Freitag in Stellung bringen. Dieser Termin dürfte dann eher dollarbullisch werden.


Wichtige Termine gibt es am Donnerstag einige. Am Vormittag sollten die Einkaufsmanagerindizes aus Frankreich, Deutschland und der Eurozone Impulse setzen, wobei es hier vor einer Woche schon Vorablesungen gab, was den Überraschungseffekt dämpfen dürfte. Außerdem blicken Deutschland und die Eurozone in die Arbeitslosenstatistik. Auch die Briten veröffentlichen den Einkaufsmanagerindex. Der US-Einkaufmanager-Index dürfte am Nachmittag für Impulse sorgen. Die genauen Termine gibt es immer in den Wirtschaftsnachrichten von @nessi508.

Aber letztendlich dürfte der Tag eher von der Politik überschattet sein. Einigen sich die Amerikaner dürften die Märkte eine Rallye starten. Endet das Tauziehen mit keiner Einigung, sollten die Märkte in Depression fallen.

Meine Analysen und Marktbeobachtungen stellen keine Handelsempfehlungen dar.
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Sonntag, 29. September 2013

Übernimmt die Politik die Regie?

Wie immer habe ich diesen Post am Sonntag geschrieben. Ich konnte die ersten Marktbewegungen für diese Betrachtungen also nicht verwenden. Zwei Ereignisse aus der Politik rückten über das Wochenende in den Fokus der Marktteilnehmer. Zum einen hat Italien mal wieder ein Regierungsproblem, was wohl den Euro belasten dürfte.

Und dann ist da der Haushaltsstreit in den USA, der zu eskalieren droht. Am 1. Oktober startet das neue Haushaltsjahr in den Vereinigten Staaten und aktuell sieht es so aus, als ob die USA zu diesem Zeitpunkt in die Zahlungsunfähigkeit schlittern. Vielleicht finden Demokraten und Republikaner wieder einen Minimal-Kompromiss, der das Schlimmste verhindert. Aber gut möglich, das am Dienstag die Behörden geschlossen bleiben, weil die Beamten Zwangsferien haben. Krieg werden die USA aber weiter führen können, denn auch wenn die USA Pleite sind: Geld für das Militär ist immer da. Schon heute halten sich die USA unter anderem dadurch über Wasser, dass die Pensionszahlungen verschoben wurden. Pensionäre sind eben keine Krieger...

Was die Mätzchen der amerikanischen Politik für Auswirkungen auf die Märkte haben werden, darüber sind sich die Marktbeobachter nicht ganz einig. Sicher ist, dass, sollten sich Kongress und Senat nicht in letzter Minute (Montag, 23 Uhr Washingtoner Zeit) einigen, dürfte das die Märkte belasten. Die Aktienmärkte dürften dies zu spüren bekommen. Moody´s geht davon aus, dass die USA bei der Schuldentilgung säumig werden könnte und dadurch die Zinsen steigen werden. Dies könnte fatale Folgen an den Finanzmärkten haben. Generell könnte es in der kommenden Woche also zu massiven Verlusten an den Aktienmärkten kommen, während die Rentenmärkte steigen.

Das wiederum hätte dramatische Folgen für die kriselnden Euro-Staaten, denn auch hier dürfte es zu massiven Zinssteigerungen kommen, die wohl auch Spanien und Italien in große Schwierigkeiten bringen dürften. Man kann also sagen, in den USA unternimmt man gerade alles, die Eurokrise zurück zu holen. Um das ganze System zu stabilisieren, müssten die Notenbanken wohl noch mehr Liquidität in die Märkte pumpen und laufen so immer mehr Gefahr, eine Inflation auszulösen.

Neben den Peripherieländer der Eurozone (Portugal, Irland, Zypern, Griechenland, Slowenien) dürfte es auch die Schwellenländer heftig treffen, denn der wirtschaftliche Erfolg von Brasilien, Indien, Malaysia oder auch China wurde weitestgehend auf Pump finanziert.

Eine Renaissance könnte Gold erleben, denn es bleiben wenige sichere Häfen, in die da Kapital flüchten kann. Neben Gold ist dies natürlich der Rentenmarkt. Dazu sind Yen und Schweizer Franken zu nennen. Gold sah zuletzt wieder ein wenig erfreulicher aus. Die 1.270 als wichtig Unterstützung kam in der vergangenen Woche nie in Gefahr und das Paar könnte einen weiteren Test des Widerstands bei etwa 1.375/80 unternehmen. Ein Bruch würde das gelbe Metall vielleicht wieder Richtung 1.425 USD befördern.



Auf einem anderen Trip sind die Aktienmärkte. Beim Dax sieht man sehr schön, wie der Index ein Top bei etwa 8.770/80 Punkten gebildet hat. Sollte die Unterstützung bei knapp 8.600 Punkten nicht halten, dürften es bei 8.460, eventuell sogar bis 8.210 Punkte zurück gehen. Angesichts der Nachrichtenlage muss man zumindest einen Einbruch an den Aktienmärkten mal mit einplanen.


Was hält die Woche noch für uns bereit? Am Montag veröffentlicht Kanada das BIP. In der Nacht zum Dienstag erscheint der staatliche chinesische ISM-Einkaufsmanagerindex, bevor die Australische Notenbank ihre Zinsentscheidung Australische Notenbank veröffentlicht. Das könnte sehr interessant werden, denn nachdem die RBA beim letzten Mal ja eine weitere Zinssenkung nicht so stark in den Fokus rückte, gab es ja eine recht deutliche Erholung des Aussie. Das kann der Notenbank eigentlich nicht gefallen. Die Märkte gehen von keiner Zinsänderung aus, aber sie werden sehr genau auf die Zinsaussage achten. Offensichtlich hat der Markt schon mal die zu erwartende Kehrtwende der Reservebank von Australien ein wenig vorweg genommen und bei 0,9530 ein Top gesetzt. Auch die Unterstützung bei 0,9330 wurde von AUD/USD schon gerochen, so dass nun die zuletzt recht wichtige Marke bei 0,9220 in den Fokus rückt. Ein Bruch wäre für die Bullen alles andere als erfreulich.


Am Dienstagnachmittag wird in den USA der Einkaufsmanagerindex veröffentlicht. Am Mittwoch gibt es dann die Zinsentscheidung der EZB, die natürlich wie immer einer der wichtigsten Termine der Woche ist. Der zuletzt gestärkte Euro dürfte den Notenbänkern nicht gefallen, weil er die Konjunkturerholung eher gefährdet. Es ist also eher damit zu rechnen, dass die EZB sicher weiter auf niedrige Zinsen über einen langen Zeitraum setzen wird. Eine wirkliche Alternative hat die Zentralbank auch kaum, besonders, wenn aufgrund der Haushaltsschieflage in den USA die Zinsen auf dem Anleihemarkt davon galoppieren.

EUR/USD hat in der vergangenen Woche in einer relativ engen Seitwärtsrange gehandelt. Die 1,36 und eventuell auch die 1,3660 sollte man natürlich einplanen, aber aus fundamentalter Sicht stehen die Zeichen wohl eher auf Korrektur. Auch charttechnisch  hat das Paar offensichtlich an Dynamik eingebüßt. Die 1,34 und 1,3320 könnten Unterstützung liefern. Sollte die EZB überraschend einen Zinsschritt beschließen, sehen wir sehr schnell die 1,3110.


Ebenfalls am Mittwoch gibt es  in den USA die ADP-Arbeitsmarktdaten und eine Rede von Ben Bernanke. Im Gegensatz zu den vielen Statements seiner Kollegen könnte es sein, dass der Fed-Chairman sich vielleicht doch ein paar Aussichten auf die kommende Zinssitzung am 29./30. Oktober. Es wird sicher kaum etwas Verbindliches geben, aber die Märkte nehmen ja gern jedes Zeichen, um dann eine ganz eigene Phantasie zu spinnen.

Am Donnerstag erscheinen der britische Einkaufsmanagerindex und die Anträge auf Arbeitslosenhilfe, die aber diesmal weniger spannend sind, weil am Freitag die Non Farm Payrolls erscheinen. Die dürften dann wieder die Phantasie um Tapering beflügeln, was den Markt doch in einige Wallungen versetzen könnte. Dazu gibt es wie immer die Arbeitslosenquote.

Schon am Freitagmorgen wird die Bank of Japan versuchen den Yen zu schwächen. Der ist zuletzt ein wenig zurückgekehrt und könnte angesichts der Nachrichten aus den USA weitere Gewinne einfahren. Hier könnte die Bank of Japan entgegenwirken, zumal, die japanische Konjunkturerholung zuletzt ein wenig gebremst schien. Die Zinsentscheidung und vor allem das Statement zur Geldpolitik dürften also sehr hohe Aufmerksamkeit des Marktes genießen

Auch ohne die Wirren der Politik steht uns also eine sehr spannende Woche bevor. Durch die politischen Unwägbarkeiten wird die Woche noch schwieriger zu handeln. Augenmaß und ein gutes Moneymanagement werden sehr entscheidend sein, um die Woche ohne zu große Blessuren zu überstehen. Ich wünsche allen eine erfolgreiche Woche.

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